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Vişeul gestern

Vişeul gestern
Die Entwicklung Vișeu de Sus als Stadt ist unmittelbar mit dem Holzabbau verbunden und hat das multikulturelle Charakter der Bevölkerung als Hauptmerkmal. Laut einer lokalen Legende, ist der Ort von einem Holzarbeiter gegründet worden, dessen Sohn von einem Stamm im Wald tot geschlagen wurde. Zum Andenken an seinem Sohn hat der Mann eine Kirche am Ort des tragischen Unfalls gebaut und um die Kirche entwickelte sich später die Ortschaft. Diese trug am Anfang den Namen „Zwischen den Flüssen“, da sie sich zwischen den Flüssen Vișeu und Wasser ausdehnte.
Die aktuelle Bevölkerungsstruktur errinnert noch an das Jahr 1770, als der Kaiser Josef II von Österreich die Holzabbauzentren von Vișeu und Borșa gründete. Hier wurden neben den Einheimischen neue Forstarbeiter vom Bezirk Zips (heute in die Slowakei) eingesiedelt. Diese schließten sich mehreren Sachsenfamilien an, die schon seit 1743 in die Gegend einsiedelten und sich mit dem Bergbau beschäftigten. Zusammen mit den deutschen Kolonisten, die später in mehreren Einsiedlerwellen hier ankamen (von Salzburg und Tirol in 1775, von Salzkammergut in 1776, von Gmunden in 1778 und von Bayern in 1784) bildeten die deutschsprachigen Holzarbeiter der neue Kern der Zipsergemeinschaft. Die große Mehrheit der deutschen Kolonisten gehörten der Römisch-Katholischen Kirche.

Schon seit 1780 begannen die deutschen Kolonisten die Ortschaft umzuwandeln. Sie bauten die erste Mülle im südöstlichen Teil der Stadt, den Damm von Măcârlău, sie gründeten die Grundschule der Schatzkammer von Vișeu de Sus (1788) und bauten 1790 die Schleuse von Făina. 1790 wurde auch die römisch-katholische Pfarrei gegründet und 1798 wurde die erste Grundschule eröffnet. Die erste Bauholzfabrik wurde von den Zipsern im Jahr 1809 gebaut.

Die Schleusen von Macârlău und Făina waren die Startorte der zipser Flößner am Wasser und Theiß in Richtung Donau. Die Holzstämme wurden in den Stauteichen gesammelt, wo sie Flössen bildeten, die flußabwärts durch die Rinnen geleitet waren. Große Holzmengen, gleich 100 Wagen auf die Eisenbahn, wurden auf diese Weise transportiert. Das Geld von diesem Handel war schon vor dem Rückkehr der Zipser aus ihrer Reise in die Königliche Bank von Vișeu zu finden.

Nach dem Ankommen der deutschen Kolonisten intensifizierten sich die Waldarbeiten. Die an dieser Hauptaktivität gebundenen Beschäftigungen wurden auch für die Bewohner der benachbarten Orte oder sogar von der weiteren Umgebungen im Kreis Maramuresch anziehend. Langsam ziehen in die Ortschaft auch Rumänen, Ungaren und Ruthen, die sich neben den Waldarbeiten auch mit der Tierzucht beschäftigten. In die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts intensifiziert sich auch der Einzug der Juden aus Galitien. Diese waren in allen sozialen Schichten von Holzarbeiter bis zu den Handwerker und Händler zu finden.

Auf diese Weise diversifizierte sich die Bevölkerung der Stadt bis in der Zwischenkriegszeit, sowohl aus ethnischer als auch aus konfessioneller Hinsicht. Zur Volkszählung von 1930 zählte die Stadt Vișeu de Sus 7.760 Einwohner: 2.500 Römisch-Katholiken (Deutsche und Ungaren), 2.500 Juden, 2.500 Griechisch-Katholiken (Rumänen) und die restlichen Ruthen. Im ganzen Wassertal pflanzten die Zipser Fichten an, kümmerten sich um die Baumschulen, rodeten die Wälder, schickten die Flössen flußabwärts bis Sighet, Vișeu und Borșa, bauten Flössen am Wasser, bauten Strassen und Holzbrücken.

"Butinarii" und "țapinarii", wie hier die Forstarbeiter genannt werden, arbeiteten während der Woche im Wald und wohnten in Hütten. Diese Hütten wurden als "finnischen" bekannt. Sie hatten die Heizung in die Mitte und die Betten waren ringsrum angeordnet, was zu einer besseren Erwärmung und zur Trocknung der Kleider diente. Eine Frau kümmerte sich um das Essen der Arbeiter, die nur am Samstag in die Stadt zurückkamen.

Die Stämme waren mit der Axt von oben gehaut, durch Wasserrinnen ins Tal geleitet, in den Stauteichen von Măcârlău und Făina gesammelt, zu Flössen zusammengebunden und dann am Wasserfluß und weiter an der Theiß geleitet. Viele Bräuche der zipser Kolonisten wurden auch von den Rumänen übernommen. Heute wird das Holz vom Wassertal mit Hilfe der Schmalspurbahn transportiert.